Tutorensystem

Zu zweit geht’s leichter!

Das ist das Lebensmotto von Christian Schwarze – einem Tutorenpionier.

 

Alles begann mit einer Hirnblutung 2002. Aphasisch und in der Orientierung erheblich beeinträchtigt, war er zunächst als Patient in unserem Hause komplett auf die Hilfe anderer angewiesen. Die Zeit der stationären Rehabilitation verging – eine ambulante Langzeittherapie begann.

 

Es war 2006 als ihm die Idee kam, seine Erfahrungen an andere Betroffene weiterzugeben, sie zu unterstützen und  zu beraten. Er gründete in unserem Haus eine Kommunikationsgruppe für unsere stationären Patienten, die sich seit dem 1x wöchentlich trifft. Zeitgleich erfuhren wir von der Gründung des Tutorensystems im Aphasiker- Zentrum Südwestsachsen e.V, bei dem sich ein Betroffener eines neu oder schwerer Betroffenen annimmt. Sie zu motovieren und zu bestärken, ihnen Verantwortung zu übertragen und dadurch ihre Rehabilitation zu fördern – darin besteht das Ziel! Zentrales Element ist das kreative Vernetzen von Betroffenen zu Tutorenpartnerschaften.

 

Darin sieht Christian Schwarze seine ehrenamtliche Berufung. In Stollberg, dem Aphasiker-Zentrum Südwestsachsen e.V., findet er regelmäßigen Kontakt zu Gleichbetroffenen in thematisierten Tutorenschulungen.  Dort schöpft er Kraft und sammelt Ideen für seine Aktivitäten im NRZ. Seine wöchentliche Kommunikationsgruppe hat in der Zwischenzeit bei unseren Patienten einen festen Platz. Gern profitieren sie von seinen Ratschlägen für die Zeit nach der Reha. Schließlich weiß er ja, wovon er als Selbstbetroffener redet. Darüber hinaus sucht er Kontakt zu den Angehörigen, die in Seminaren über die Aphasie und deren Auswirkungen erfahren. Als Betroffener kann er selbst die besten Ratschläge zum Kommunikationsverhalten geben. Und – er bietet auf unseren Aphasiestationen Spielegruppen für die Patienten an, die sehr rege genutzt werden.

 

Aber, sein eigentliches Ziel ist es, die Aphasiker zu unterstützen, die zu Hause Kontakt zu Gleichbetroffenen suchen. Selbsthilfegruppen sind in den ländlichen Regionen  noch nicht ausreichend etabliert – Aphasiker deshalb häufig isoliert. Aus diesem Grunde arbeitet  Christan Schwarze energisch an einer Datenbank. Seine Vision ist es, aus ehemaligen Patienten, die selbstverständlich ihr Einverständnis für einen Datenaustausch gegeben haben, Tandems zu bilden. Er sammelt fleißig Adressen und sucht passende Kontaktpartner.  Eng kooperiert er mit Dr. Strohschein, einem Tutor in der Brandenburgklinik Berlin-Bernau, sowie Frau Hübner, die erstmalig am 30.07.09 eine Kommunikationsgruppe in der Tagesklinik des NRZ Leipzig durchführte. Weiterhin gibt es enge Kontakte zur Tagesklinik für kognitive Neurologie in Leipzig ebenfalls mit dem Bestreben des Datenbankausbaus.

 

Fazit: Vier Standorte, die im Sinne der Tandembildung in der Leipziger Region eng miteinander kooperieren sind ein Beginn einer hoffentlich irgendwann landesweiten Vernetzung, von der unsere Aphasiker profitieren.  Erste Kontakte über die Landesgrenze hinaus sind geknüpft und hoffentlich beispielhaft.