Rehabilitation bei Patienten mit sprach-systematischen Störungen


Constraint-Induced Aphasie Therapie bei Schlaganfallpatienten im subakuten Stadium

Hartwig Woldag, Nancy Voigt

 

Die Constraint-Induced Movement Therapy ist eine für die Rehabilitation motorischer Störungen nach Schlaganfall gut evaluierte und hoch effektive Therapieform. Dabei wird mit dem Patienten intensiv aktiv über mehrere Stunden täglich geübt, die Anforderungen an die zunehmende Funktionserholung und Leistungsfähigkeit des Patienten werden ständig angepasst (Shaping) und der gesunde Arm wird über 90% der Wachstunden des Patienten immobilisiert. Pulvermüller et al. (2001) haben die Constraint-Induced Movement Therapy an die Therapie chronischer Aphasie-Patienten adaptiert. In einer randomisierten, kontrollierten Studie konnten sie die deutliche Überlegenheit dieser Therapie gegenüber einer in Deutschland weit verbreiteten Standardtherapie bei Aphasie-Patienten im chronischen Stadium (> 1 Jahr nach akutem Ereignis) nachweisen. Eine methodische Schwäche dieser Studie besteht darin, dass die Kontrollgruppe nicht nur eine inhaltlich andere Therapie, sondern zusätzlich auch eine andere zeitliche Verteilung der Therapien (gleiche Stundenzahl über ca. den doppelten Zeitraum) erhalten hat. Es ist jedoch bekannt, dass bei der Aphasie eine hohe Therapiedichte über einen kurzen Zeitraum effektiver ist als eine über einen längeren Zeitraum gestreckte Therapie mit geringer Dichte. Somit kann die Studie nicht klären, ob der nachgewiesene Therapieerfolg auf die inhaltlich-methodischen oder die zeitlichen Veränderungen zurückzuführen ist.

 

In unserer kontrollierten, randomisierten und prospektiven Studie, die gemeinsam mit der Brandenburg Klinik durchgeführt wird, sollen 48 Patienten mit einer Aphasie nach Schlaganfall im subakuten Stadium (3. – 12. Woche nach akutem Ereignis) eingeschlossen werden. In der Verumgruppe erfolgt eine Therapie in Kleingruppen (2 – 3 Patienten) unabhängig von der Klassifikation der Aphasie über 10 aufeinander folgende Werktage, je drei Stunden täglich in Blöcken von je einer Stunde. Dabei sollen die Patienten Bildkarten von Mitpatienten durch verbale Beschreibung des Bildinhaltes abfordern. Nonverbale Kommunikation ist nicht erlaubt, mit zunehmenden Fähigkeiten der Patienten werden die kommunikativen Anforderungen erhöht (komplexere Beschreibungen). Zusätzlich bestehen zwei Kontrollgruppen, wobei in der einen die Patienten Standardtherapie in Kleingruppen über 10 aufeinander folgende Werktage, 3 Stunden täglich in Blöcken von je einer Stunde erhalten und in der anderen hausüblich in Einzeltherapie mit 10 Therapieeinheiten à 30 Minuten je Woche in Kombination mit hausüblicher Gruppentherapie über 2 Wochen therapiert wird.

 

Zur Quantifizierung der Therapieeffekte werden aus dem AAT die Teiltestungen 'Token Test, Nachsprechen, Schriftsprache, Benennen und Sprachverständnis' durchgeführt. Zur qualitativen und quantitativen Beurteilung der Kommunikationsfähigkeit des Patienten wird der Communication Activity Log eingesetzt.

 

Die Rekrutierung der Patienten im NRZ ist abgeschlossen. Auch in der Brandenburg Klinik ist die Rekrutierung nunmehr abgeschlossen. Wir können daher jetzt mit der Auswertung beginnen.