Prospektive Untersuchungen zum Einfluss rehabilitativer Interventionen bei Schlaganfall-Patienten


Einfluss eines Trainings physikalischer Bewegungsparameter auf die Ausführung komplexer Bewegungen bei Schlaganfallpatienten

Caroline Renner, Ricarda Ludwig, Christiane Brendel, Sophia Hanna, Horst Hummelsheim

 

Vorausgegangene Untersuchungen zeigten, dass die Verbesserung der Geschwindigkeit des Kraftaufbaus einen größeren prädiktiven Wert für die Verbesserung der motorischen Funktion der Hand hat als die Verbesserung der isometrischen Kontraktionskraft. Demnach könnte das Üben der Geschwindigkeit des Kraftaufbaus selektiver Bewegungen empfohlen werden. Andererseits legen neue Studien nahe, dass ein repetitives aufgabenspezifisches Training (z.B. nach einem Objekt greifen) einem Training von isolierten Bewegungen überlegen ist.

 

Ziel dieser prospektiven Studie ist es bei Patienten nach Mediainfarkt den Einfluss eines Geschwindigkeitstrainings aufgabenspezifischer Bewegungen mit dem eines Trainings zur Verbesserung der Geschwindigkeit des Kraftaufbaus, der Faustschlusskraft und der Dorsalextensionskraft auf die Erholung der Funktion von Arm und Hand (gemessen anhand des ARAT) zu vergleichen. Die Hypothese ist, dass die Gruppe mit dem Geschwindigkeitstraining aufgabenspezifischer komplexer Bewegungen größere funktionelle Verbesserungen aufzeigen wird als die Gruppe mit dem Training zur Verbesserung der Rate der Spannungszunahme von Faustschluss- und Dorsalextensionskraft. Das wäre ein Hinweis dafür, dass der Patient nach Schlaganfall einzelne Bewegungselemente nicht in komplexe Bewegungsabläufe transferieren kann und unterstriche die Überlegenheit des aufgabenspezifischen komplexen Trainings.

 

Erste Ergebnisse von 40 Patienten: Patienten wurden randomisiert einer von zwei Gruppen zugeordnet und erhielten entweder ein vierwöchiges Geschwindigkeitstraining des Kraftaufbaus von Faustschluss- und Dorsalextensionsbewegungen oder ein vierwöchiges Geschwindigkeitstraining aufgabenspezifischer komplexer Bewegungen. Sowohl nach zwei als auch vier Wochen des jeweiligen Trainings wurden biomechanischen Parameter und die Funktionalität (mittels dem Action Research Arm Tests; ARAT) der betroffenen oberen Extremität gemessen. Alle Patienten verbesserten sich signifikant in allen funktionellen und biomechanischen Parametern und es war kein Unterschied der Verbesserung zwischen beiden Gruppen zu verzeichnen. Der Transfer der einzelnen Bewegungen in komplexe Bewegungen wäre eine denkbare Erklärung für die äquivalenten Ergebnisse beider Gruppen.

 

Einfluss eines Trainings physikalischer Bewegungsparameter

Einfluss der beiden Trainingsvarianten von Gruppe 1 (selektive Bewegungskomponenten) und Gruppe 2 (komplexe Bewegungen) auf die Verbesserung des ARAT-Gesamtwertes (ARA_TOT) nach 2 Wochen (links) und nach 4 Wochen (rechts).