Rehabilitation von Patienten mit Multipler Sklerose


Multiprofessionelle Rehabilitationsbehandlung für anhaltende Therapie-Erfolge bei multipler Sklerose

 
Die multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch verlaufende entzündliche Erkrankung des Gehirns und Rückenmarkes. Im Verlauf dieser Erkrankung kann es an verschiedenen („multiplen“) Stellen des Zentralnervensystems zu einem Untergang von nervenumhüllendem Gewebe oder Nervenzellen kommen, so dass ein narbiger Defekt („Sklerose“) entsteht. Im Verlauf der Erkrankung können Funktionsstörungen auftreten, die die Patienten in ihren Alltagsaktivitäten sowie in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben behindern. Dabei kann eine Vielzahl funktioneller Systeme des Zentralnervensystems in sehr variablem Ausmaß und zeitlicher Abfolge betroffen sein. 

 


Zu den möglichen Funktionsstörungen der MS gehören: 

 

  • Gang- und Standunsicherheit durch Muskelschwäche (Lähmung) oder Gleichgewichtsstörung
  • Beeinträchtigung der Handfunktion durch Muskelschwäche (Lähmung) oder Koordinationsstörung, Zielunsicherheit bei Willkürbewegungen
  • Spastik
  • Gefühlsstörungen (mit Kribbeln, Pelzigkeitsgefühl, schmerzhaften Missempfindungen, vermindertem räumlichem Tastempfinden)
  • Handzittern
  • Ermüdung, Depression
  • kognitive Störungen
  • Sprech- und Schluckstörungen
  • Sehstörungen (z.B. Schleiersehen), Doppelbilder
  • Blasenstörungen
  • Störungen der Krankheitsverarbeitung
  • Sozialer und beruflicher Rückzug

 


Diagnostik und Behandlungsmethoden:
 
Die MS wird mehrheitlich als Autoimmunerkrankung verstanden, bei der wesentliche krankheitsauslösende und –fördernde Mechanismen über die körpereigene Abwehr vermittelt werden. 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist eine sorgfältige Diagnostik, um andere in Frage kommende Erkrankungen auszuschließen. Bei der Therapie der MS stehen der modernen Neurologie eine Reihe wirksamer Therapieverfahren zur Verfügung. Neben der Behandlung eines akuten Schubes sind die Möglichkeiten einer neurologischen Rehabilitationsbehandlung für Betroffene von besonderer Bedeutung, um einem drohenden Verlust alltagspraktischer oder berufsbezogener Fähigkeiten oder dem Auftreten von Komplikationen (z.B. schwer behandelbare Spastik oder Gangunsicherheit) wirksam zu begegnen. 

 

 

Das Konzept der multiprofessionellen Rehabilitationsbehandlung: 
 
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass übende Verfahren (insbesondere Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) von anerkanntem Nutzen für Funktionsstörungen sind. Die multiprofessionelle Rehabilitationsbehandlung bei multipler Sklerose erlaubt die Formulierung von Therapiezielen sowie die Erarbeitung eines individuellen Behandlungsplans, der genau auf die Beschwerden jedes Patienten abgestimmt ist. Der Behandlungsplan zielt auf die Beseitigung bzw. Minderung der Krankheitsfolgen im privaten und beruflichen Alltag und hilft zugleich bei der seelischen Bewältigung der Erkrankung. Schwerpunkt der Klinik ist die Behandlung motorischer Störungen, die moderne Therapieelemente wie repetitives Training, CIMT („erzwungener Gebrauch“) und „Shaping“ (Anpassung der Anforderungen an die Funktionserholung) mit einbeziehen. Psychologische und psychosomatische Aspekte von Krankheit und Behinderung ebenso wie die Angehörigenberatung sind selbstverständlicher Bestandteil unseres Rehabilitationskonzeptes. Die Behandlung wird durchgeführt von einem Team aus Mitarbeitern verschiedener Berufsgruppen, bestehend aus Ärzten, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Logopäden, Pflegetherapeuten, Medizinischen Bademeistern/Masseuren und Sozialarbeitern. Die Strategien des Teams sind eng aufeinander abgestimmt, um gemeinsam mit dem Patienten das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

 

Aus verschiedenen Untersuchungen geht hervor, dass ein stationäres Behandlungskonzept vermutlich wirksamer ist als ambulante Therapie, wobei der maximale Therapieeffekt über die Summe der Einzeltherapien hinaus geht. Zudem konnte gezeigt werden, dass ein positiver Effekt nicht nur von kurzer Dauer ist, sondern dass die Verbesserung von Behinderung, Handicap oder Lebensqualität meist mehrere Wochen bis Monate anhält. Offenbar liegt der positive Effekt der Rehabilitationsbehandlung nicht nur in der Wiederherstellung gestörter Funktionen, sondern auch in einer verbesserten Kompensation und Verarbeitung der Störungen begründet. 

 

 

Ziele der multiprofessionellen Rehabilitationsbehandlung:

 

  • Förderung der Lern- und Umstellungsbereitschaft des Gehirns zur Minderung motorischer, kommunikativer, emotionaler und geistiger Beeinträchtigungen
  • Anbahnung und Wiederherstellung alltagspraktisch und berufsbezogen nutzbarer Arm-, Bein- und Rumpfmotorik (einschließlich Gehen, Stehen, Treppensteigen, Handmotorik mittels krankengymnastischer, sporttherapeutischer und ergotherapeutischer Behandlung)
  • Erreichen weitgehender Selbständigkeit im Alltagsleben, ggf. mit Hilfe behinderungsgerechter Hilfsmittelversorgung und Schulung im Umgang mit erforderlichen Hilfsmitteln und Schulung im Umgang mit diesen Hilfsmitteln
  • Behandlung von Komplikationen (z.B. Schmerzen, höhergradige Spastik, Depression u.a.)
  • Vermittlung von Krankheitsinformation und Motivation zur gesundheitsbewussten (und ggf. an die Behinderung angepassten) Lebensführung, Beratung von Angehörigen
  • Beratung zur medikamentösen Therapie
  • Beratung zur Wiedereingliederung ins Berufsleben, ggf. mit Kontaktaufnahme zu Arbeitgebern
  • Üben verschiedener berufsbezogener Fertigkeiten
  • Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen
  • Hilfen bei der Krankheitsbewältigung
  • Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Steigerung von Lebensqualität und Lebensfreude

 

 

Spezielle Behandlungsverfahren:

 

  • Posturographisches Biofeedbacktraining zur Verbesserung des Gleichgewichtes
  • Moderne Behandlungsverfahren für zentrale Paresen: 
    - repetitives sensomotorisches Training (auch mit Objekten des Alltags)
    - CIMT („Erzwungener Gebrauch“, „Forced use - Therapie“)
    - Sporttherapie
    - Schmerztherapie
    - Botulinum-Toxin-Behandlung
    - Gedächtnistraining
    - Verhaltenstherapie zur Krankheitsbewältigung

 

 
Zusammenfassung:
 
Das NRZ Leipzig ist ein nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattetes Rehabilitationszentrum für Neurologie mit insgesamt 210 Behandlungsplätzen. Die Klinik ist in der Lage, von multipler Sklerose Betroffene mit jedem Behinderungsgrad aufzunehmen. Grundlage der Rehabilitationsbehandlung ist ein ganzheitliches, alle Berufsgruppen einbeziehendes bio-psycho-soziales Behandlungskonzept, bei dem aktivierende und motivierende Behandlungsverfahren mit Schwerpunkt Motorik im Vordergrund stehen, jedoch ebenso psychologische und soziale Aspekte des Patienten und seiner Erkrankung Gegenstand der intensiven Behandlung sind.