Rehabilitation bei Schluck-, Sprech- und Sprachstörungen


Die Nahrungsaufnahme ist eine selbstverständliche Notwen­digkeit, bedeutet Lebensqualität und aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Doch was, wenn das Essen wegen einer neurologischen Erkrankung zur Qual wird? Ca. 50 Muskelpaare und 5 Hinnerven sichern in einem perfekten Zusammenspiel unser risikofreies Essen. Ist dies nicht gegeben, spricht man von einer Dysphagie, die zu Folgeerkrankungen mit vielfältigen Komplikationen führen kann. Im NRZ Leipzig wird der Dysphagie höchste Priorität beigemessen. In den Rehabilitationsphasen B und C (Phase D bei akutem Verdacht) werden in einem Team aus Arzt und Logopäden bereits unmittelbar nach der stationären Auf­nahme (und vor der ersten Mahlzeit) in einer klinischen Befundung Kostform, weitere notwendige Diagnostiken (fieberendoskopischen Laryngoskopie, Video-fluoroskopie etc.) sowie der Therapieplan festgelegt. Bei tracheoto­mierten Patienten steht stets die Dekanülierung in Verbindung mit der Oralisierung im Vordergrund. In den jeweiligen therapeutischen Interventionen finden (interdiszi­plinär) kausale (repetitive), kompensatorische und adaptie­rende Maßnahmen Anwendung. Bei guter Mobilisation und Mitarbeit können unter­stützend zum Üben bei freier Zeiteinteilung Biofeedbackgeräte (EMG-, respiratorisches Biofeedback, Prosodie-Biofeedback) eingesetzt werden.


Die Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation kann auf vielfältige Weise beeinträchtigt sein. Neben der klassischen Aphasie (d.h. zentralen Sprechstörungen mit Beein­trächtigung der "inneren Struktur" von Sprache) werden Lese- und Schreibstörungen, Sprechapraxien und Dysathro­phonien/Dysarthrien angetroffen.


Jedes sprachtherapeutische Behandlungsprogramm beginnt mit einer detaillierten störungsspezifisch angepassten Analyse der vorliegenden sprachsystematischen bzw. sprech­motorischen Störung, des daraus resultierenden Störungsbewusstseins und der voraussichtlichen sprach­lichen Lernfähigkeit des Patienten. Vorwiegend standardi­sierte Testverfahren finden Anwendung. Im Verlauf der Behandlung wird diese Analyse regelmäßig wiederholt, da bei Verbesserung einer sprachlichen Teilfunktion eine weitere Störung zu Tage treten kann, die eine veränderte therapeutische Strategie notwendig macht. Weil kommunikative Fertigkeiten durch kognitiv/neuro­psycho­logische Funktionsstörungen in erheblichem Umfang beeinträchtigt sein können, erfolgt im NRZ Leipzig eine besonders enge Kooperation des sprachtherapeu­tischen Bereichs mit dem neuropsychologischen Arbeitsgebiet. Auch häufig begleitende Beeinträchtigungen des Schreibens, Lesens und Rechnens werden therapiert.

 

Dem Zusammenhang zwischen kommunikativer Kompetenz und der Aussicht auf erfolgreiche Wiedereingliederung in das Erwerbs- bzw. Alltagsleben wird besondere Aufmerksamkeit zuteil.

 

Im Umgang mit aphasischen Patienten müssen eine Reihe von Grundprinzipien beachtet werden: Mit den betroffenen Patienten muss klar artikuliert, langsam und inhaltlich eindeutig gesprochen werden. Patienten mit vermindertem Sprechantrieb sollen regelmäßig zur verbalen Interaktion angeregt werden, übermäßiges Korrigieren von Paraphasien oder Neologismen sollten unterbleiben. Auf nicht sprachliche Techniken der Kommunikation (z.B. Gestik) sollte so spät wie möglich zurückgegriffen werden. Es ist die Aufgabe des logopädischen Teams, diese Regeln patienten-pezifisch z.B. im Rahmen von Fallkonferenzen den übrigen Berufsgruppen (therapeutisch und pflegerisch) zu vermitteln.

 

Ein dritter wichtiger therapeutischer Schwerpunkt ist die Dysarthrie­therapie / Dysarthrophonietherapie. Bei er­haltenen rezeptiven Leistungen ist die Artikulations- und/oder Phonationsfähigkeit beeinträchtigt. Nach eingehen­der Diagnostik wird patientenindividuell und störungs­spezifisch ein Übungs­programm zusammengestellt, welches konsequent in den einzeltherapeutischen Sitzungen umge­setzt wird.

 

In interdisziplinären Teambesprechungen werden patienten­individuell Prioritäten und je nach physischer Belastbarkehit ein Höchstmaß an Therapien festgelegt. Bei Bedarf und Notwendigkeit erfolgt eine hochfrequente einzel­therapeutische logopädische Betreuung (aller genannten Störungsbilder) und/oder die Integration in eine der zahl­reichen Gruppen.

 

In regelmäßig stattfindenden Angehörigenseminaren wer­den medizinische und therapeutische Grundlagenkenntnisse über das jeweilige Störungsbild vermittelt, in individuellen Gesprächen wird die therapeutische Unterstützung durch die Angehörigen bzw. bei Entlassung die ambulante Weiterbetreuung besprochen.